Geografie

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Lage und Charakter des Ortes

10° 57,0′ östl. Länge, 51° 01,3′ nördl. Breite, 196 bis 205 m über NN

Der Ort liegt im Thüringer Becken ca. 10 km nordwestlich des Zentrums der Landeshauptstadt Erfurt. Im Jahr 1994 wurde Tiefthal eingemeindet und ist heute ein Ortsteil von Erfurt.

Tiefthal befindet sich am Ostrand der Fahner Höhen, wo der Weißbach durch ein schmales Tal in die Ebene nördlich von Erfurt austritt. Der Ort ist umgeben von ausgedehnten Obstplantagen, Feldern und etwas Wald. Obwohl die Autobahn A71 und die vierspurige B4 in nur einem Kilometer Entfernung vorbeiführen, ist Tiefthal selbst nur durch eine schmale Straße erreichbar. Es gibt im Ort kein Gewerbegebiet sondern zumeist kleine Firmen. Tiefthal ist vor allem ein Wohndorf, das sich durch eine sehr schöne Lage und die Nähe zu Erfurt auszeichnet. Die Stadtbusline 10 verbindet den Ort mit dem Erfurter Norden.

Geologie

Die Gegend nördlich Erfurts basiert auf Gesteinen, die im Erdzeitalter des Keupers (Teil des Trias) entstanden. Es handelt sich um meist lockere Kalk- und Tongesteine. Diese wurden während der Eiszeiten mit Ablagerungen (z.B. Kies) bedeckt, auf die Löß geweht wurde. Der Löß ist die Grundlage für die fruchtbaren Böden im Thüringer Becken.

Westlich von Tiefthal beginnen die Fahner Höhen, die auf Muschelkalk gründen. Dieser wurde auch in der Nähe des Ortes als Baumaterial gewonnen. Direkt am westlichen Ortsende – links des Weges zur Grundmühle – gibt es mehrere vom Wald überwucherte alte Steinbrüche.

Charakteristisch für die nördliche und nordwestliche Umgebung des Ortes sind trockene Gipskeuperhügel. Der größte und bekannteste ist die Schwellenburg (Naturschutzgebiet), die zwischen Kühnhausen und Tiefthal liegt. Hier ist noch zu erkennen, dass früher Gips abgebaut wurde. Auch einige kleine Karsthöhlen sind vorhanden. Die namensgebenden Schwellen (Terrassen) am Südhang sind aber dem einstigen Weinbau zu danken. Weiter nördlich gibt es noch die Gipskeuperhügel Kippelhorn, Hühnerbiel, Marolsberg und Geiersberg. An letzterem ist der Gipssteinbruch gut zu erkennen. Heute ist dort ein Schießstand, der auch in Tiefthal deutlich zu hören ist. Bis in die 1970-er Jahre führte von hier eine Kleinbahn unter der B4 hindurch nach Elxleben, wo die Gipsbrandöfen (Baudenkmal) noch heute zu sehen sind.

Weißbach

Der Weißbach prägt den alten Teil des Ortes Tiefthal und hat auch das „tiefe Tal“ eingeschnitten. Er entspringt bei Bienstädt, indem dort mehrere Entwässerungsgräben zusammenlaufen. Der Weißbach entwässert den Südostteil der Fahner Höhen. Er fließt durch Töttelstädt und Tiefthal weiter nach Kühnhausen, wo er Weißfrauenbach heißt, die Mahlgera kreuzt und in die Gera mündet.

Das Tal zwischen Töttelstädt und Tiefthal mit der Ausflugsgaststätte Grundmühle ist ein beliebter Wanderweg.

Verlauf des Weißbachs

Verlauf des Weißbachs (Karte: OpenStreetMap.org)

Die Höhe zwischen Schaderode und Alach bildet eine Wasserscheide. Der Weißbach fließt über die Gera, Unstrut, Saale und Elbe schließlich in die Nordsee. Bei Alach entspringt die Nesse, die nach einem Bogen um Gotha bei Eisenach in die Hörsel mündet. Deren Wasser fließt über Werra und Weser ebenfall in die Nordsee. Erst dort trifft es wieder auf das Wasser des Weißbachs.

Im Sommer ist der Bach oft ausgetrocknet bzw. das wenige Wasser fließt unterhalb des verkarsteten Bachbetts und tritt nur an wenigen Stellen zutage. Der Weißbach kann aber bei Starkregen oder bei Schneeschmelze zum reißenden Fluss werden, der das breite Bett durch Tiefthal fast vollständig ausfüllt. Dieses Bett wurde nach einem verheerenden Hochwasser am 21.07.1956 angelegt. Nach dem Jahr 2000 wurden am westlichen Ortsende weitere Hochwasserschutzbauten errichtet, so dass der Ort jetzt gut geschützt ist.

Weißbach-Hochwasser 2006

Hochwasser am 10. März 2006 – Das Wasser aus dem Grund füllt das Bachbett im Ort fast vollständig aus. Es stand vorher sogar noch ca. 30 cm höher, wie das linke Bild zeigt. (Fotos: E. Schön, 2006)

Weißbach-Aue (1696) Bilder der Weißbach-Aue zwischen Tiefthal und Kühnhausen finden Sie in einer Galerie

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Klima

Klimabeschreibung über das benachbarte Naturschutzgebiet „Schwellenburg“ aus dem Handbuch der Naturschutzgebiete der DDR (1974):

„Das NSG liegt im Klimabezirk „Thüringer Becken“ innerhalb des leebeeinflußten Börde- und herzynischen Binnenlandklimas mit trockenwarmen, kontinentalen Zügen. Im Regenschatten des Thüringer Waldes, der Fahnerschen Höhen und des Harzes gelegen, empfängt es eine mittlere Jahresniederschlagssumme von nur 500 mm, deren Maximum mit fast 70 mm deutlich im Juli liegt. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,5°C mit einer mittleren Schwankung von wenig über 18 °C (Monatsmittel Juli: 17,1°C; Monatsmittel Januar: minus 0,9°C). Das Geländeklima bedingt wesentliche Abweichungen. Der Südhang ist auf Grund seiner Strahlungsexposition sehr warm und trocken.“

Wetterbeobachtungen aus den Jahren 2005 bis 2016

Herr Olaf Werner betreibt seit 2005 eine kleine private Wetterstation in Tiefthal (51°01’11,59 N; 10°57’03,76 O). Er hat freundlicherweise die folgenden Daten und Einschätzungen zur Verfügung gestellt.

Resume des Jahres 2016
Temperaturen

Im Durchschnitt der Maximum- und Minimumwerte lag das Jahr 2016 deutlich unter dem Vorjahr. Auffallend heiße Tage gab es im Juni und im September, wo mit 36,8 Grad (23.6.2016) bzw. 33,8 Grad (12.9.2016) neue Allzeitrekorde aufgestellt wurden.

Regen

Obwohl der Mai und der Oktober ziemlich verregnet waren, war das Jahr 2016 im Vergleich zu 2015 mit einer Gesamt-Niederschlagsmenge von knapp 644 Litern ähnlich trocken. Damit verringert sich die durchschnittliche Regenmenge über alle Jahre von 731 l/m² (2015) weiter auf jetzt 723 l/m². Mit nur 11,5 Litern war der Dezember 2016 der trockenste der vergangenen zwölf Jahre.

Nach den Messungen beträgt der Niederschlag im Jahresmittel 723 l/m², wobei im 12-Jahresvergleich der regenreichste Monat der Juli mit 95,2 l/m² ist, gefolgt vom Mai mit 90,4 l/m².
Am trockensten ist es in Tiefthal im März, Februar und April.

Wind

2016 war ein durchschnittliches Windjahr. Im August und im Oktober wurden mit 102 km/h (11.8.2016) bzw. 80 km/h (31.10.2016) neue Monatsrekorde gemessen.


Extreme (seit 2005)
Niederschlag

• höchste gemessene Temperatur: 40,0 °C am 04.07.2015

• tiefste gemessene Temperatur: -22,2 °C am 07.02.2012

• höchste Temperatur an einem Dezembertag: 14,8 °C am 24.12.2013

Wind

• höchste gemessene Windgeschwindigkeit: 113 km/h (Januar 2007, Orkan Kyrill)

Niederschlag

• trockenstes Jahr seit 2005: 2008 mit 510 l/m²

• feuchtestes Jahr seit 2005: 2010 mit 1002 l/m²

• regenreichster Monat: Mai 2013 mit 218 l/m²

• trockenster Monat: November 2011 mit 5,9 l/m²

Wetterstatistik 2005 bis 2016 (von Olaf Werner)

Regenmenge (in l/m²) im jeweiligen Monat

Höchste Temperatur (in °C) im jeweiligen Monat

Höchste Temperatur (in °C) im jeweiligen Monat

Niedrigste Temperatur (in °C) im jeweiligen Monat

Niedrigste Temperatur (in °C) im jeweiligen Monat

Höchste Windgeschwindigkeit (in km/h) im jeweiligen Monat

Höchste Windgeschwindigkeit (in km/h) im jeweiligen Monat

 

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